«Diese Herausforderung haben wir bewusst gesucht»

von Fabio Baranzini / Swiss Faustball

Bild: Fabio Baranzini / Swiss Faustball


Die Schweiz hat in dieser Woche vier Länderspiele bestritten. Drei Mal traten die Eidgenossen gegen Österreich an und einmal gegen Deutschland. Wir haben mit Nationaltrainer Oliver Lang Bilanz gezogen.

Oli, wie fällt deine Bilanz nach den vier Länderspielen aus, die ihr in dieser Woche bestritten habt?
Es war eine riesige Berg- und Talfahrt. Wir haben beim Kick-off am Sonntag mit 17 Spielern praktisch bei null begonnen. Viele haben noch gar nie miteinander gespielt. Nach nur einem gemeinsamen Trainingstag sind wir in Wigoltingen gegen Vize-Weltmeister Österreich angetreten. So gesehen war der Start mit der 2:4-Niederlage ganz ordentlich. In Elgg hatten wir dann wirklich gut gespielt, konnten uns nochmals steigern und waren nahe am Sieg. Das dritte Spiel in Jona war dann dagegen der Tiefpunkt. Da haben wir die Talsohle erreicht und wirklich kein gutes Spiel abgeliefert. Der Abschluss in Schlieren gegen Deutschland war dann wieder ganz ordentlich.

Wenn wir aber die Resultate anschauen, hat am Ende kein Sieg resultiert. Damit kannst du nicht zufrieden sein.
Das ist richtig. Dennoch haben wir Deutschland in einen siebten Satz gezwungen und gegen Österreich einen Matchball herausgeholt. Wir waren also nicht chancenlos. Zudem muss man auch sehen, dass wir nur acht Spieler dabei hatten, die schon an grossen Turnieren gespielt haben. Und mit Malik Müller, Kenneth Schoch und Nicolas Fehr kamen drei davon verletzungsbedingt nur kurz oder gar nicht zum Einsatz. Wir mussten also die Ausfälle von vielen erfahrenen Spielern kompensieren. So standen teilweise vier Neulinge auf dem Feld. Das war natürlich schwierig, aber diese Herausforderung haben wir bewusst gesucht.

«Ich wollte die Chance nutzen, um Spielern aus allen NLA-Vereinen die Möglichkeit zu geben, sich auf höchstem Niveau zu beweisen»

Oliver Lang, Nationaltrainer

Kommen wir doch gleich auf die Neulinge zu sprechen. Von den 17 Spielern, die du eingesetzt hast, haben neun noch nie ein Länderspiel für die A-Nati absolviert. Was war die Idee hinter diesen vielen Länderspielpremieren?
Ich wollte die Chance nutzen, um Spielern aus allen NLA-Vereinen die Möglichkeit zu geben, sich auf höchstem Niveau zu beweisen. So konnte ich alle Spieler beobachten und schauen, wie sie sich gegen die Besten der Welt schlagen. Das hilft mir sicherlich, wenn es darum geht, im nächsten Frühling eine erste Selektion für die EM zu treffen.

Verständlicherweise haben die vielen Wechsel und die vielen neuen Spieler auch dazu geführt, dass die Abstimmung auf dem Feld nicht immer ideal war. Konntest du trotzdem die Erkenntnisse gewinnen, die du wolltest?
Ja definitiv. Zum einen hat sich gezeigt, dass einige der Neulinge noch ziemlich überfordert waren mit dem Niveau. Nicht alle spielen mit ihren Clubs auf internationalem Niveau. Das hat man phasenweise gemerkt. Von den routinierten Spielern hätte ich mir teilweise noch etwas mehr erhofft. Da sind einige unter ihren Möglichkeiten geblieben. Es gab aber auch ein paar Spieler, die positiv aufgefallen sind.

Welche Spieler waren es, die Werbung in eigener Sache machen konnten?
Den Wow-Effekt gabs bei mir bei den beiden Mittelmännern Silvan Jung und Rico Strassmann. Dass Silvan auf höchstem Niveau spielen kann, hat er an der EM 2012 bereits bewiesen. Jetzt hat er gezeigt, dass er es noch immer drauf hat. Rico hat zum ersten Mal auf diesem Niveau sein Können gezeigt und hat bewiesen, dass er ein Weltklasse Mittelmann werden kann in den nächsten Jahren. Zudem hat Leon Heitz als Jüngster im Team seine Aufgabe hinten links gut gemacht. Insbesondere in Elgg hat er ein tolles Spiel gezeigt. Er ist ein Versprechen für die Zukunft. Auch Tim Egolf hat im Angriff seine Schlitzohrigkeit bewiesen und frech aufgespielt.

Bild: Fabio Baranzini / Swiss Faustball


Wenn du heute dein Team für den nächsten Grossanlass selektionieren müsstest, welche zehn Spieler wären dabei?
Das kann ich nicht sagen. Nach nur einem Training und vier Partien, in denen nicht alle gleich häufig zum Einsatz gekommen sind, wäre das auch nicht fair. Aber ich habe sicherlich einige Kandidaten im Kopf, die ich im nächsten Frühling unter anderem aufgrund der Leistungen in dieser Woche aufbieten werde.

Mit diesen vier Länderspielen ist die Saison der Nationalmannschaft bereits wieder zu Ende. Wie geht es weiter?
Mit der A-Nati haben wir in diesem Jahr keine Termine mehr. Wir sind jedoch jetzt schon dran, die Vorbereitung auf die EM im nächsten Jahr zu planen. Dafür wird es ein Kick-off geben und wir probieren, im nächsten Frühling ein Länderspiel zu organisieren. Für uns geht es dann darum, bei den ersten Zusammenzügen eine mögliche Stammfünf zu finden.

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