«Wer etwas erreichen will, muss etwas leisten»

von Fabio Baranzini / Swiss Faustball


Vor wenigen Tagen haben wir die Ergebnisse der Umfrage von Swiss Faustball zum Thema Leistungssport veröffentlicht. Nun geht es darum, diese Ergebnisse zu interpretieren und aufzuzeigen, wo mögliche Ansätze für die Umsetzung liegen. Das machen wir in einem Gespräch mit Max Meili, dem Marketingchef von Swiss Faustball.
 

Max, die Umfrageergebnisse haben klar aufgezeigt, dass man sich bei den Männern und den Frauen eine starke Elite wünscht. Was bedeutet denn dieses Bekenntnis zum Leistungssport für den Schweizer Faustballsport?
Zunächst freut es mich, dass die Ergebnisse der Umfrage Swiss Faustball in seiner Strategie 2022 bestärken. Und als weitere Vorbemerkung, die mir wirklich am Herzen liegt: Ich habe grössten Respekt vor dem Können unserer Elite – das möchte ich mit aller Deutlichkeit klarstellen. Doch nun zur Frage. Permanent zur absoluten Weltspitze gehören zu wollen, heisst als Konsequenz, dass wir uns auf allen Ebenen verbessern müssen. Angefangen bei der aktuellen Elite, die ihre Trainingsintensität in jedem Bereich weiter steigern muss, über Swiss Faustball, der die dafür notwendigen Strukturen zusammen mit den Elitevereinen zu schaffen hat, bis zu allen Vereinen in der Schweiz, die ebenfalls mitziehen und vor allem ihre Bemühungen im Nachwuchsbereich intensivieren müssen. Letzteres gilt bis in die untersten Ligen.

Schauen wir das doch etwas genauer an. Schliesslich hat die Umfrage auch gezeigt, dass die Mehrheit der Befragten befürchtet, dass die Schweiz den Anschluss zu den Topnationen verlieren könnte. Wie sähe denn eine Intensivierung des Trainings der Elite aus?
Unsere Nationalspieler müssen überall – technisch, taktisch, mental und physisch – noch mehr in den Faustballsport investieren. Das ist ebenfalls ein Ergebnis der Umfrage. Dies hat zur Folge, dass die Anforderungen an den Trainerstaff der Nationalteams, aber auch an die Vereinscoaches deutlich höher werden, weil der Umfang an Fach- und Sozialkompetenzen viel grösser wird. Wenn Spieler und Spielerinnen den Aufwand auf das angestrebte Level steigern, haben sie die Erwartung, dass die Coaches mitziehen. Ich denke da zum Beispiel an die höheren Stufen der Trainer- und Erwachsenenbildung. Man darf einfach die allgemeine Regel nie aus den Augen verlieren: Wer Experte in einem Fach werden will, benötigt dazu rund 10'000 Stunden. Das gilt für alle Bereiche des Lebens.

Wenn die Nationalspieler und -spielerinnen noch mehr trainieren sollen, wird automatisch die Frage nach den zeitlichen Ressourcen zum Thema. Für viele wird die Zeit knapp und mit noch mehr Trainings müsste wohl das Arbeitspensum reduziert werden. 
Das ist richtig und entspricht auch der Sorge eines Teils der Teilnehmenden der Umfrage. Da stellt sich natürlich schon die Frage, warum jemand sein Arbeitspensum zu Gunsten des Faustballsports reduzieren soll, obwohl man im Faustball – auch an der absoluten Weltspitze – kein Geld verdienen und den Verdienstausfall nicht kompensieren kann. Wir sind bei Swiss Faustball der festen Überzeugung, dass wir den Faustballsport in der Schweiz professionalisieren müssen, wenn wir wirklich vom reinen Hobbysport wegkommen wollen. Und das sowohl bei Swiss Faustball als auch in den Vereinen. Nur gemeinsam können wir es schaffen, unsere Strukturen so anzupassen, dass wir eine Chance haben, unseren Spitzenspielerinnen und Spitzenspielern eine finanzielle Entschädigung für ihre Zusatzaufwände zu ermöglichen.

 


Das klingt gut, aber woher sollen die finanziellen Mittel für diese Professionalisierung kommen?

Swiss Faustball beginnt diese Professionalisierung im Rahmen der Strategie 2022 vorzuleben. Wir haben den Männer Nationaltrainer Oliver Lang in einem 10% Pensum eingestellt, damit er die Koordination unter den Nationalteams und zu den Vereinen und den Stützpunkten verbessern kann. Auch in der Ausbildungskommission haben wir eine Administrationsstelle geschaffen, damit sich unsere Experten fast ausschliesslich auf die Entwicklung des Faustballsports konzentrieren können. Dieses Geld steuern die Vereine nach ihrem Beschluss an der Nationalliga-Konferenz 2019 bei. Im Bereich der Medienarbeit setzen wir ebenfalls auf Professionalität und beschäftigen unseren Medienchef in einem Mandat. Die Kosten weisen wir im ordentlichen Budget aus. Durch diese Investments versprechen wir uns eine grössere Qualität und dank der Investition in die Medienarbeit eine höhere Präsenz in den Medien, wodurch der Faustballsport auch für Sponsoren attraktiver werden sollte. Klar ist aber auch, dass wir bei Swiss Faustball die zusätzlich nötigen finanziellen Mittel nicht alleine auftreiben können. Da müssen die Vereine mitziehen.

Wie können die Vereine das tun?
Genau wie wir bei Swiss Faustball müssen auch die Vereine – vor allem diejenigen in der Nationalliga A – ihre Strukturen anpassen. Es geht darum, dass sie ihren Spitzenspielern mehr Trainingsmöglichkeiten bieten und zudem auch vermehrt in die Öffentlichkeitsarbeit investieren, damit der Faustballsport in der Region der NLA-Teams noch stärker verankert wird und mehr Sponsorengelder generiert werden können. Eine Meisterschaftsrunde in der NLA muss zu einem Event werden, der auch Personen auf den Platz lockt, die sonst mit Faustball nichts am Hut haben. Eine attraktive Runde zu organisieren, ist auch Teil der Öffentlichkeitsarbeit. Wir sind dringend auf eine bedeutend grössere Reichweite in der Öffentlichkeit angewiesen, wenn wir das Sponsoring über das heutige Mass ausweiten wollen. Aber bis wir an diesen Punkt kommen, sind Investitionen notwendig. Und ganz wichtig ist, dass die Vereine ihre Nachwuchsarbeit weiter ausbauen. Das gehört ebenfalls zum Beitrag, den die Vereine leisten müssen.

Warum ist das so wichtig?
Nur wenn wir es schaffen, im Nachwuchs Breite zu entwickeln, werden wir weiterhin Spitzenspieler und Spitzenspielerinnen hervorbringen. Auch diese Ansicht wird durch die Resultate der Umfrage gestützt und durch die Entwicklung in den unteren Ligen bestätigt, wo das Durchschnittsniveau in den letzten 20 Jahren mit Sicherheit nicht gestiegen ist. Die Breite im Nachwuchs ist absolut essenziell, damit bereits auf nationaler Ebene und in den Elitevereinen eine Konkurrenz-Situation entsteht. Das stachelt die Athletinnen und Athleten an und so kann die Qualität im Schweizer Faustballsport gesteigert werden. Wenn uns das gelingt, können wir auch die Lücke zu den Topnationen wieder schliessen. Doch die Breite deckt noch weitere Bedürfnisse des Vereinslebens ab. Es braucht auch Leute, die den Verein tragen. Ein Spitzenspieler oder eine Spitzenspielerin sollte in der Aktivzeit auf dem angestrebten Niveau nicht noch zeitintensive Funktionen im Verein übernehmen müssen, sonst sind diese Leute bei ihrem Rücktritt völlig ausgebrannt und kehren dem Faustballsport den Rücken. Das wollen wir verhindern, denn von diesem Expertenwissen sollen die Vereine und der Verband später doch profitieren können.

 


Die Nachwuchsarbeit liegt zu einem grossen Teil bei den Vereinen. Wie kann Swiss Faustball Unterstützung bieten?

Es ist ganz wichtig, dass wir dieses Thema gemeinsam angehen. Weder ein Verein noch Swiss Faustball kann das alleine schaffen. Unsere Ausbildungskommission leistet hervorragende Arbeit und bietet den Vereinen heute schon verschiedenste Unterstützungsmöglichkeiten für die Arbeit mit dem Nachwuchs. Es gibt bereits eine schöne Anzahl Unterlagen und Angebote. Auch die Institution der Stützpunkte, die Zertifizierungsmöglichkeit zum «Nachwuchscenter Swiss Faustball» und die Chance für unseren Nachwuchs, am Lager in Tenero teilzunehmen, sind wertvoll. Zudem wird das Projekt Faustball Kids Future laufend weiterentwickelt. Aktuell versuchen wir, die Anzahl der Botschafter zu erhöhen und ihre Rolle aktiver zu gestalten. Ein weiteres Ziel besteht darin, die Anzahl der U10 und U12 Teams, die an der Feld-Meisterschaft teilnehmen, fürs nächste Jahr zu steigern. Wir arbeiten auch daran, die Präsenz des Faustballsports in den Schulen zu forcieren, Jugendriegen zu aktivieren und neue Wettkampfformen für die Kleinsten zu entwickeln. Es tut sich also einiges.

Was macht euch so sicher, dass der Faustballsport sich in der Schweiz auf diese Art zum Guten entwickelt?
Es gibt nie eine Garantie für den richtigen Weg in eine erfolgreiche Zukunft. Aber wenn es im gleichen Stil weitergeht wie bisher, wird der Faustballsport vollends marginalisiert, und wir werden nie wissen, ob unsere Ideen funktioniert hätten. Kommt hinzu: Auch wenn die Elitevereine eine Professionalisierung ablehnen würden, kommen sämtliche Vereine in der Schweiz nicht darum herum, die Nachwuchsförderung zu forcieren.

 

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