Mit Ruhe zum Erfolg: Die Haltiner-Brüder vor der Heim-EM
von Fabio Baranzini
Am Mittwoch beginnt die Faustball Europameisterschaft der Männer in Frauenfeld. Mit dabei im 10er-Kader der Schweiz sind die beiden Brüder Marcel und Roman Haltiner aus Tobel. Die beiden spielen beim STV Affeltrangen.
Marcel und Roman Haltiner verbringen wohl mehr Zeit zusammen als viele andere Geschwister. Das hängt in erster Linie damit zusammen, dass sie beide leidenschaftlich gerne Faustball spielen. Seit mittlerweile sechs Jahren laufen sie gemeinsam in der ersten Mannschaft des STV Affeltrangen auf und trainieren entsprechend auch mehrmals pro Woche gemeinsam. Und neu sind sie auch beide im Kader der Schweizer Nationalmannschaft, die ab Mittwoch an der Heim-EM in Frauenfeld um die Medaillen kämpft.
Etwas nervös bei der Premiere
Marcel, mit 26 Jahren der ältere der beiden Brüder, ist schon länger Bestandteil der Nationalmannschaft. Der grossgewachsene Angreifer hat unter anderem im letzten Sommer die WM in Mannheim für die Schweiz bestritten. Roman (22), der auf der Mitteposition zum Einsatz kommt, hat dagegen erst vor wenigen Tagen sein erstes Länderspiel für die Schweiz bestritten – bei der 3:4-Niederlage im Testspiel gegen Österreich in Jona. Nun wurde er für die EM in Frauenfeld selektioniert. «Als bei meinem ersten Länderspiel die Schweizer Hymne lief, wurde ich ziemlich nervös, was mir sonst auf dem Faustballfeld selten passiert. Nach dem Anpfiff legte sich das dann aber. Dass ich jetzt an der EM dabei sein darf und das gleich noch vor Heimpublikum und mit Marcel im selben Team ist es schon speziell», so Roman Haltiner.
Auch sein Bruder Marcel freut sich auf die Heim-EM in Frauenfeld. «Weil die EM so nah von unserem Zuhause stattfindet, werden viele Bekannte und Kollegen als Zuschauer dabei sein. Das ist sehr cool. Dass ich überhaupt an der EM dabei sein darf, ist für mich ein Erfolg und den mit meinem Bruder zu teilen, macht es noch besser.»
Ruhe als Erfolgsrezept
Marcel Haltiner hat im Alter von neun Jahren mit dem Faustballsport begonnen. Durch seinen Vater, der ebenfalls aktiver Faustballer war, ist er dazugekommen. Trainiert hat er – wie danach auch sein jüngerer Bruder Roman – immer beim STV Affeltrangen. Beide haben auf Juniorenstufe schon grosse Erfolge gefeiert und sind für die U18 und die U21 Nationalmannschaft aufgelaufen. Letztes Jahr feierten sie mit Affeltrangen den Vize-Schweizer-Meistertitel und Marcel Haltiner wurde als wertvollster Spieler der Liga ausgezeichnet.
Gefragt nach den Stärken des jeweils anderen auf dem Faustballfeld, antworten beide: «Die ruhige Art.» Die Gebrüder Haltiner lassen sich also nicht so schnell aus dem Konzept bringen. Das kann auf der grossen Bühne der Heim Europameisterschaften in Frauenfeld sicherlich ein Vorteil sein. Vor allem für Neuling Roman. «Ich muss erst mal ein wenig Nati-Luft schnuppern. Ich freue mich aber schon jetzt auf jede Minute, die ich auf dem Feld stehen darf und werde versuchen, möglichst viel zu profitieren und es zu geniessen.»
Schweiz startet als Nummer drei
Die Schweizer Nati gehört traditionell zu den heissesten Medaillenkandidaten an der EM. Das ist auch in diesem Jahr so. Dennoch sind die Kräfteverhältnisse aufgrund der letzten WM relativ klar. Hinter den beiden Top-Nationen Deutschland und Österreich startet die Schweiz als Nummer drei ins EM-Turnier. Nur zu gerne würden die Schweizer, die einen komplett neuen Staff haben und auch einige Spielerwechsel zu verzeichnen haben, an dieser Hierarchie etwas ändern. «Wir haben im Testspiel gegen Österreich bewiesen, dass wir mithalten können. Wir müssen eine gute Stimmung auf den Platz bringen. Wenn uns das gelingt, können wir in den Flow kommen und das Niveau erreichen, das wir brauchen, um gegen Deutschland und Österreich zu bestehen», blickt Marcel Haltiner voraus.