Schweizer U18-Frauen erkämpfen sich sensationell WM-Bronze
von Fabio Baranzini
An der Heim WM in Reiden überraschen die U18 Frauen der Schweiz und holen sich in einem spektakulären Bronzespiel den dritten Rang. Die U18 Männer gehen dagegen leer aus.
Was war das für ein unglaublich dramatisches Ende dieses Bronzespiels: Die Schweizer U18 Frauen haben einen 0:2-Satzrückstand aufgeholt und im Entscheidungssatz bei 10:9 den ersten Matchball ungenutzt gelassen. Im darauffolgenden Ballwechsel verletzte sich Angreiferin Lina Berther und musste ausgewechselt werden. Die Schweizerinnen schafften es trotzdem, den Fokus wieder auf das Spiel zu lenken. Die eingewechselte Lena Frei wehrte den Matchball von Brasilien mit einem Ass ab. Wenig später – nach einem zweiten abgewehrten Matchball – hatten die Schweizerinnen ihrerseits die zweite Gelegenheit, das Spiel zu gewinnen. Und diesmal verwerteten sie diese. Der Jubel war grenzenlos, die Freudetränen flossen.
Fans, Staff und Team
Diese Bronzemedaille der Schweizerinnen kam unerwartet. Nach einem grossen Umbruch im Team nach dem letzten grossen Turnier – mit Andri Kaiser und Sabine Pfister übernahm ein neues Trainer-Duo und alle vier Angreiferinnen wurden altersbedingt ausgewechselt – durfte man nicht mit einer Medaille rechnen. Und auch die Leistungen in der Vorrunde, die zwar couragiert waren, aber ohne Sieg gegen eine Topnation endeten, hatten zur Folge, dass die Schweizerinnen als Aussenseiterinnen in dieses Bronzespiel gestartet waren. «Es ist absolut crazy, dass wir Bronze gewonnen haben. Wir hatten immer Vertrauen, dass wir die Partie noch drehen können. Dank unseren Fans im Rücken und allen zehn Spielerinnen im Team haben wir das geschafft», freute sich Andri Kaiser nach dem Spiel. «Wir haben einen super Staff, der den Spielerinnen sehr viel Empathie und Vertrauen entgegenbringt, in den richtigen Situationen aber auch hart sein kann. So haben wir in den letzten Monaten alle zusammen sehr intensiv gearbeitet und konnten nun diesen Erfolg feiern.»
Undankbarer vierter Rang
Die U18-Auswahl der Männer startete mit grossen Ambitionen in die Heim-WM. Der Final war das grosse Ziel des Teams, das von Christian Götsch und Cyrill Hagen betreut wurde. In der Vorrunde erledigten die Schweizer alle Pflichtaufgaben mehrheitlich souverän. Gegen Namibia, Neuseeland und Chile gewannen sie, mussten sich im Gegenzug aber auch allen drei grossen Nationen geschlagen geben. Das Positive: Gegen Deutschland (1:3), Österreich (1:3) und Brasilien (2:3) sicherten sich die Schweizer immer mindestens einen Satz.
Nach Rang vier in der Gruppenphase wartete im Halbfinal der Qualifikationssieger aus Deutschland. Zwei Sätze lang konnten die Schweizer den grossen Favoriten fordern, verlor jedoch beide knapp. Wenig später setzten sich die Deutschen mit 3:0 durch. Der Finaltraum der Schweizer U18-Jungs war geplatzt. Die Enttäuschung bei Spielern und Staff riesig. Doch noch war das Turnier nicht vorbei. Es bestand weiterhin die Chance, mit einem Sieg im Bronzespiel gegen Brasilien für einen positiven Turnierausgang zu sorgen. Zur Erinnerung: Die Schweizer U18 Männer haben seit 14 Jahren keine WM-Medaille mehr gewonnen. Doch in dieser Partie gegen Brasilien fanden die Schweizer überhaupt nie zu ihrem Spiel und mussten sich letztlich in drei klaren Sätzen geschlagen geben (0:3). Somit blieb in der Endabrechnung einmal mehr der undankbare vierte Rang.
Resultate:
Faustball. Weltmeisterschaften. U18 Frauen. In Reiden, Vorrunde, Schweiz vs. Brasilien 1:3 (11:8, 5:11, 9:11, 8:11), Schweiz vs. Österreich 0:3 (5:11, 5:11, 9:11), Schweiz vs. Deutschland 0:3 (5:11, 6:11, 2:11). – Viertelfinal: Schweiz vs. Chile 3:1 (7:11, 11:8, 13:11, 14:12). – Halbfinal: Deutschland vs. Schweiz 3:0 (11:4, 11:9, 11:4). – Bronzespiel: Schweiz vs. Brasilien 3:2 (7:11, 9:11, 11:7, 11:5, 14:12)
Faustball. Weltmeisterschaften. U18 Männer. In Reiden, Vorrunde, Schweiz vs. Namibia 3:1 (7:11, 11:3, 11:8, 13:11), Schweiz vs. Neuseeland 3:0 (12:10, 11:4, 11:5). Schweiz vs. Deutschland 1:3 (9:11, 7:11, 11:8, 7:11), Schweiz vs. Brasilien 2:3 (11:9, 4:11, 11:6, 5:11, 9:11), Schweiz vs. Chile 3:0 (11:6, 11:4, 11:8), Schweiz vs. Österreich 1:3 (8:11, 7:11, 14:12, 6:11). – Halbfinal: Deutschland vs. Schweiz 3:0 (12:10, 11:9, 11:7). – Bronzespiel: Brasilien vs. Schweiz 3:0 (11:8, 11:3, 11:5)