Stellungsnahme zur Selektion eines Nationalspielers ohne Schweizer Pass

von Präsidium Swiss Faustball

WG-Kader III 2025

 

 

Swiss Faustball nimmt mit der Männer-Nationalmannschaft erneut an den World Games, den Weltspielen der nichtolympischen Sportarten, teil. Zum zweiten Mal ist auch die Frauen-Nationalmannschaft vertreten. Im 10-köpfigen Männer-Nationalteam, das für die World Games 2025 in Chengdu (China) selektioniert wurde, steht ein Spieler im Aufgebot, der noch keinen Schweizer Pass besitzt. Er lebt und arbeitet jedoch seit sieben Jahren in der Schweiz, ist hier vollständig integriert und wird das Schweizer Bürgerrecht beantragen, sobald er die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt. Diese Nominierung wurde möglich durch eine einmalige Ausnahmebewilligung, welche Swiss Faustball bei der International Fistball Association (IFA) beantragt und bewilligt erhalten hat. Swiss Faustball will damit die besten für die Schweiz spielenden Spielerinnen und Spieler an die World Games entsenden.

1. Warum dieses Statement jetzt?

Die Reaktionen auf unsere Entscheidung, einen Spieler ohne Schweizer Pass für die World Games 2025 für die Selektion freizugeben, haben innerhalb der Schweizer Faustball-Community zu Verunsicherung, Unverständnis und teils heftiger Kritik geführt. Einige Faustballvereine und Funktionäre haben sich klar gegen das Vorgehen des Präsidiums ausgesprochen – einzelne sogar ihre Zusammenarbeit mit Swiss Faustball in Frage gestellt. Das Präsidium nimmt diese Rückmeldungen ernst. Mit diesem Statement wollen wir für Klarheit sorgen, unsere Beweggründe darlegen und Missverständnisse ausräumen. Gleichzeitig ist es uns wichtig, mit dieser Kommunikation auch Verantwortung für die mangelhafte Kommunikation im Vorfeld zu übernehmen.

2. Der konkrete Fall

Der selektionierte Spieler lebt seit sieben Jahren in der Schweiz, ist als Lehrer tätig und tief in die Faustball-Community integriert. Er engagiert sich aktiv in seinem Schweizer Verein und plant, das Schweizer Bürgerrecht zu beantragen, sobald die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Dieser Spieler ist kein „ausländischer Söldner“, sondern ein engagierter Teil unserer Sport- und Gesellschaftsgemeinschaft.

3. Die Ausnahmebewilligung für die World Games

Swiss Faustball hat beim Internationalen Faustballverband (IFA) eine Ausnahmebewilligung für den Einsatz des Spielers beantragt. Die IFA hat die Ausnahmeregelung erteilt.

Wir betonen ausdrücklich:
Diese Ausnahme gilt ausschliesslich für die World Games 2025 und deren damit verbundenen Vorbereitungen.
Es handelt sich nicht um eine generelle Öffnung für alle internationalen Spiele.

4. Konsultativabstimmung und Entscheid des Präsidiums

Nach Bekanntgabe der IFA-Bewilligung wurde das Anliegen im Rahmen einer Konsultativabstimmung mit den Schweizer Faustballvereinen diskutiert. Die Mehrheit sprach sich dabei gegen den Einsatz von Spielern ohne Schweizer Pass aus.

Trotz dieser Rückmeldung hat sich das Präsidium von Swiss Faustball – gestützt auf seine strategische Ausrichtung und Verantwortung – für eine sportlich getragene Einzelfallentscheidung ausgesprochen.

Diese Entscheidung wurde nicht leichtfertig getroffen und war auch innerhalb des Präsidiums Gegenstand intensiver Diskussionen. Letztlich fiel der Entscheid im Sinne der sportlichen Zielsetzung. Unser Fokus liegt auf Leistung, Integration und Fairness – und nicht allein auf formaler Staatsangehörigkeit.

5. Reaktionen und Umgang mit Kritik

Die Intensität und Heftigkeit der Reaktionen haben uns überrascht. Persönliche Angriffe und ehrverletzende Aussagen gegenüber Funktionären von Swiss Faustball weisen wir entschieden zurück. Wir rufen zu einem sachlichen, fairen und respektvollen Dialog auf.

Fehlende oder unklare Kommunikation unsererseits hat zur Verunsicherung beigetragen. Dafür entschuldigen wir uns offen und ehrlich.

6. Blick in die Zukunft – gemeinsamer Weg und Regeldiskussion

Swiss Faustball ist bereit, die Grundsatzfrage, wie künftig mit Ausnahmebewilligungen umzugehen ist, erneut im Präsidium zu behandeln. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen in einen strukturierten Austausch mit der gesamten Faustball-Schweiz einfliessen.

Gleichzeitig wird Swiss Faustball das Gespräch mit anderen Nationen und der IFA suchen, um die derzeitige Regelung zur Spielberechtigung zu klären und gegebenenfalls Anpassungen zu beantragen. Ziel ist es, keine dauerhafte Sonderregelung zu schaffen, sondern diesen spezifischen Einzelfall sauber und im Einklang mit den internationalen Vorgaben zu lösen.

7. Aufruf zur Zusammenarbeit

Die Vorbereitungen auf die World Games 2025 laufen. Swiss Faustball will mit den besten Spielerinnen und Spielern in Chengdu antreten und sportliche Erfolge für die Schweiz erzielen. Dazu benötigen wir das Vertrauen, die Unterstützung und die Mitwirkung der gesamten Faustball-Familie.
Wir danken allen Vereinen, Funktionären und Aktiven, die sich konstruktiv, kritisch und fair einbringen. Lasst uns gemeinsam Wege finden, wie wir unseren Sport – auf und neben dem Spielfeld – stark und geschlossen weiterentwickeln können.

Mit sportlichen Grüssen
Das Präsidium von Swiss Faustball

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